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12. August 20266 Min. LesezeitKarriere

Ein Über­setzungs­portfolio aufbauen, wenn Kundenarbeit vertraulich ist

Baue ein glaubwürdiges Übersetzungsportfolio auf, ohne Kundendokumente offenzulegen: mit Erlaubnis, eigens erstellten Arbeitsproben, Ausgangs- und Zieltextvergleichen und Belegen für dein Urteilsvermögen.

Porträt von Javier Martínez Samblas

Javier Martínez Samblas

Gründer von Self · Lebenslauf-Websites mit KI

Aquarellraster internationaler Flaggen als Symbol für Sprachen und Übersetzungsarbeit.

Ein Übersetzungsportfolio sollte Urteilsvermögen belegen, nicht das größtmögliche Archiv von Kundendateien zeigen. Das ist gerade beim Übersetzen wichtig: Schon die Existenz eines Auftrags, das Ausgangsdokument und die darin genannten Personen können sensibel sein.

Vertraulichkeit ist kein Hindernis, das du umgehen solltest. Sie gehört zu der Leistung, die du verkaufst. Potenzielle Kunden sollten nach dem Portfolio überzeugt sein, dass du schwierige Sprachentscheidungen treffen kannst und weißt, wann du etwas nicht veröffentlichen solltest.

Erlaubnis als erste Portfolio-Kompetenz verstehen

Der Ethikkodex der American Translators Association verlangt, dass Übersetzende geschützte und vertrauliche Informationen bewahren. Die Portfolio-Empfehlungen der ATA empfehlen außerdem, vor Links zu Aufträgen die passende Erlaubnis des Kunden einzuholen.

Eine schriftliche Erlaubnis sollte den genauen Ausschnitt, die Darstellung, die Kundennennung und den zulässigen Kanal festlegen. Ein Passwort hebt keine Geheimhaltungsvereinbarung auf, und ein entferntes Logo anonymisiert ein Dokument nicht automatisch. Sind Erlaubnis oder Rechte unklar, lasse das Material weg und erstelle eigene Belege.

Erstelle gezielte Arbeitsproben statt Nachahmungen

Die beste Alternative ist eine kurze Arbeitsprobe aus Material, das du übersetzen und veröffentlichen darfst. Wähle einen Ausgangstext aus einer offiziellen Sammlung mit offener Lizenz, einer gemeinfreien Sammlung, einem Open-Source-Projekt oder deinem eigenen Briefing. Prüfe die tatsächliche Lizenz und Namensnennungspflichten, statt anzunehmen, dass alles online Sichtbare wiederverwendbar ist.

Richte die Arbeitsprobe auf die gewünschten Aufträge aus. Für Rechtsübersetzungen eignet sich ein öffentlicher rechtlicher Informationstext, für Lokalisierung eine kleine Open-Source-Oberfläche und für Literatur eine gemeinfreie Passage. Ziel sind nicht zehn zufällige Beispiele, sondern zwei oder drei Arbeiten, die eine glaubwürdige Spezialisierung belegen.

Zeige Ausgangstext, Zieltext und Begründung

Eine Übersetzung allein lässt sich schwer beurteilen, weil die Entscheidungen dahinter unsichtbar bleiben. Zeige Ausgangs- und Zieltext zusammen und ergänze kurze Hinweise zu den Entscheidungen, die Fachwissen erforderten. So wird eine Textprobe zum Methodenbeleg.

Eine hilfreiche Struktur für jede Arbeitsprobe im Übersetzungsportfolio.

Briefing

Was dazugehört

Zielgruppe, Markt, Medium, Ton und Zweck

Was es belegt

Du übersetzt kontextbezogen statt Wort für Wort

Ausgangstext

Was dazugehört

Gezielter Ausschnitt mit Angaben zu Rechten und Urheberschaft

Was es belegt

Leser können die Arbeit vergleichen

Zieltext

Was dazugehört

Fertige Übersetzung im vorgesehenen Format

Was es belegt

Sprachqualität und Eignung für die Zielgruppe

Kommentar

Was dazugehört

Zwei oder drei wichtige Terminologie- oder Tonentscheidungen

Was es belegt

Recherche und sprachliches Urteilsvermögen

Qualitätsprozess

Was dazugehört

Prüfungen, Quellen, Überarbeitung und relevante Werkzeuge

Was es belegt

Ein wiederholbarer professioneller Arbeitsablauf

Fülle den Kommentar nicht mit offensichtlichen Beobachtungen. Erkläre einen Begriff, dessen wörtliche Entsprechung irreführt, eine zielgruppenbedingte Tonwahl oder eine Platzbeschränkung bei der Lokalisierung. Eine echte Entscheidung sagt mehr als ein Absatz voller Behauptungen über Genauigkeit und Leidenschaft.

Vertrauliche Erfahrung auf passender Abstraktionsebene beschreiben

Oft kannst du die Art der Arbeit beschreiben, ohne geschütztes Material offenzulegen, sofern deine Vereinbarung auch diese Angabe erlaubt. Zum Beispiel: regelmäßige Patienteninformationen für einen Gesundheitsanbieter übersetzt oder Onboarding-Abläufe für ein europäisches B2B-Softwareunternehmen lokalisiert. Nenne Sprachpaar, Fachgebiet, Inhaltstyp, ungefähren Umfang, deine Rolle und Qualitätsprozess nur, wenn jede Angabe gefahrlos geteilt werden darf.

Für Ergebnisse gilt dieselbe Sorgfalt. Erfinde keine Konversionsraten und suggeriere nicht, dass ein Kundenergebnis allein durch Übersetzung entstand. Freigegebene Fakten wie Folgeaufträge, ein veröffentlichter Marktstart oder gelieferte Mengen im Zeitverlauf können hilfreich sein. Darf ein Ergebnis nicht genannt werden, erkläre deine Verantwortung und die Prüfung der Arbeit.

Spezialisierung stärker wirken lassen als Menge

  • Nenne die Übersetzungsrichtung klar: In eine Sprache und aus ihr zu übersetzen sind keine austauschbaren Leistungen.
  • Nenne zwei oder drei Fachgebiete, die du belegen kannst, statt dich in jeder Branche als gleich kompetent darzustellen.
  • Nenne relevante Abschlüsse, Mitgliedschaften, Werkzeuge und Qualitätspraxis, aber verbinde sie mit der Leistung, die ein Kunde kauft.
  • Gib einen einfachen nächsten Schritt vor, etwa Verfügbarkeit anfragen, eine Arbeitsprobe besprechen oder um eine freigegebene private Referenz bitten.

Den professionellen Rahmen aus sicheren Informationen erstellen

Dein Lebenslauf kann den öffentlichen beruflichen Verlauf, Sprachpaare, Qualifikationen und Leistungskontext für einen Portfolio-Website liefern. Lade nur Material hoch, das du verarbeiten darfst, und ergänze eigene Arbeitsproben oder solche, die du ausdrücklich zeigen darfst. Vertrauliche Kundendateien sollten nicht allein deshalb zur Eingabe werden, weil ein KI-Werkzeug einen schnelleren ersten Entwurf verspricht.

Ein Übersetzungsportfolio gewinnt Vertrauen durch Auswahl. Wenige rechtmäßige, gut erklärte Arbeitsproben, eine klare Spezialisierung und sichtbarer Respekt vor Vertraulichkeit sagen mehr über professionelle Qualität als eine Galerie voller unerklärter Kundendokumente.